Über das Bach-Museum

Im Haus von Bachs Freunden

Das »Bosehaus«, in dem sich heute das Bach-Archiv mit dem Bach-Museum befindet, ist eines der ältesten Gebäude am Leipziger Thomaskirchhof. Zur Zeit Johann Sebastian Bachs lebte hier die mit der Familie Bach befreundete Kaufmannsfamilie Bose. Bach selbst wohnte direkt gegenüber in der alten Thomasschule, die allerdings schon 1902 abgerissen wurde.

 

Das Bosehaus. Foto: Jens Volz

Von dem im 16. Jahrhundert errichteten Vorderhaus des heutigen Museumsgebäudes zeugt noch die zweischiffige Eingangshalle im Renaissancestil mit stattlichen toskanischen Säulen und einem Rundbogenportal aus Rochlitzer Porphyrstein. 1710 erwarb der wohlhabende Gold- und Silberwarenhändler Georg Heinrich Bose das Haus und ließ es zu einem großzügigen barocken Kaufmannshaus umgestalten. Die Seitenflügel und das Hintergebäude wurden dabei neu errichtet. Die Fassade des Vorderhauses erhielt einen zweigeschossigen Erker. Im hinteren Hofquerflügel ließ Bose einen repräsentativen Festsaal einrichten. Dieser mit Wandspiegeln, Musikergalerie und beweglichem Deckengemälde verzierte Sommersaal wird heute als Konzertsaal genutzt.

 

Die Richtersche Kunstsammlung

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts beherbergte das Bosehaus eine bedeutende Kunstsammlung. Schon Georg Heinrich Bose hatte Gemälde, Kupferstiche, Münzen und Medaillen besessen. Sein Schwiegersohn Johann Zacharias Richter, der mit Anna Magdalena Bachs »Herzensfreundin« Christiana Sybilla Bose verheiratet war und das Haus 1745 erwarb, brachte eine umfangreiche Gemäldesammlung mit sich. Dessen Sohn Johann Thomas erweiterte die Sammlung und öffnete sie für die Öffentlichkeit. Ab 1765 stand sie »jedem Liebhaber, an einem Nachmittag der Woche, zwei Stunden offen« und zählte unter die  »Sehenswürdigkeiten zum Dienst der Reisenden«. Zu den Besuchern gehörten Moses Mendelssohn, Wieland, Goethe, Tischbein und Jean Paul. Bis 1810 blieb die Sammlung im Besitz der Familie Richter, dann wurde sie versteigert. Von den etwa 400 Kunstwerken befinden sich heute noch sieben Gemälde im Museum der bildenden Künste Leipzig.

 

Das Musikhistorische Museum Paul de Wits

1893 eröffnete der Instrumentensammler Paul de Wit im Bosehaus ein privates musikhistorisches Museum. Wieder rückte das Haus durch eine kostbare Sammlung ins Licht der Öffentlichkeit. Neben einer Fülle historischer Musikinstrumente trug de Wit  Notenhandschriften, Briefe und Gemälde von Komponisten und Instrumentenbauern zusammen. Auch die von ihm gegründete Zeitschrift für Instrumentenbau hatte ihre Redaktion im Bosehaus. Bis zu seinem Tod 1925 war das Haus Treffpunkt für Instrumentenmacher, Künstler und Verleger.

Der Spieltisch der Leipziger Johanniskirchen-Orgel. Foto: Jens Volz

Eines der damals ausgestellten Musikinstrumente – der Spieltisch der Leipziger Johanniskirchenorgel, die Bach 1743 geprüft hatte – ist heute im Bach-Museum zu sehen. Das Instrument ist eine Dauerleihgabe des Grassi Museums für Musikinstrumente der Universität Leipzig, dessen Grundstock die Sammlung Paul de Wits bildete.

 

Ort der leichten Muse

Das Bosehaus hat nicht nur eine lange Tradition als Wohnhaus und Museum, sondern auch als  Veranstaltungsort. Seit den 1880er Jahren war es Standort für verschiedene Gaststätten und Spielorte der leichten Muse, etwa die »Ansbacher Bierhallen«. 1910 kam das Haus in den Besitz des damaligen Direktors der Brauerei in Reudnitz, Friedrich Wilhelm Reinhardt. Er etablierte hier das »Konzert- und Künstlerhaus Oberpollinger« mit vielen Hundert Sitzplätzen. Seit Mitte der 1920er Jahre traten die »Seidel-Sänger-Singspiele« im Bosehaus auf. Anfang der 1960er Jahre wurde schließlich ein Anbau für das 1954 gegründete Kabarett »Leipziger Pfeffermühle« eingerichtet, das bis 2007 im Bosehaus seine Spielstätte hatte.

 

Das Bach-Museum Leipzig

Schon im Gohliser Schlösschen, in dem das Bach-Archiv bis 1985 seinen Sitz hatte, wurden erste kleine Ausstellungen durchgeführt. In den 1970er Jahren schließlich begann die Geschichte des Bach-Museums. Nachdem der damalige Direktor des Bach-Archivs, Dr. Werner Neumann, auf die freundschaftlichen Verbindungen zwischen den Familien Bach und Bose aufmerksam gemacht hatte, wurde 1973 zunächst eine kleine Bach-Gedenkstätte in der Eingangshalle des Bosehauses eröffnet.

 

Die Bach-Gedenkstätte in der Eingangshalle des Bosehauses (1973)

Nach zweijährigen, umfangreichen Rekonstruktionsarbeiten zog das Bach-Archiv im März 1985 schließlich ins Bosehaus am Thomaskirchhof und eröffnete hier das »Johann-Sebastian-Bach-Museum Leipzig«. Die erste Ausstellung umfasste vier Räume im 1. Obergeschoss des Vorderhauses sowie zwei kleine  Kabinette für Sonderausstellungen. Anlässlich des großen Bach-Jubiläums zum 250. Todestags im Jahr 2000 wurde die Ausstellung erstmals vollständig neu gestaltet und um zwei Räume im Nachbargebäude erweitert. Der Bereich für die Sonderausstellungen wurde dabei vergrößert und ein Hörkabinett sowie ein Medienraum eingerichtet. In den Jahren 2008 bis 2010 wurde das Gebäude erneut grundlegend saniert. Das nun »Bach-Museum Leipzig« benannte Museum wurde neu konzipiert und erheblich erweitert. Es erhielt einen eingeschossigen, klimatisierten Anbau mit Sonderausstellungsraum und Schatzkammer, der sich mitsamt einem neu eingerichteten kleinen Lustgarten an den historischen Südflügel anschließt. Das klingende und interaktive Bach-Museum erstreckt sich nun auf 450 m² Ausstellungsfläche. Zwölf thematisch gegliederte Ausstellungsräume berichten über Leben und Wirken Bachs, seine Familie, die Bachforschung und vieles mehr. Seit der Gründung des Museums 1985 waren bisher 80 Sonderausstellungen zu sehen und das Haus hatte mehr als 850.000 Besucher (Stand: Januar 2014).

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