Rundgang durch die Dauerausstellung

Auf rund 450 m² Fläche präsentiert das klingende und interaktive Bach-Museum Leben und Wirken Johann Sebastian Bachs und seiner Familie. Lernen Sie hier die Ausstellung näher kennen:

Das Entrée: Bach-Büste von Carl Ludwig Seffner

C. L. Seffner: Johann Sebastian Bach, 1897. Foto: Jens Volz

Die Marmorbüste im Foyer des Bach-Museums zeigt Johann Sebastian Bach im Alter von etwa 60 Jahren. Sie wurde 1897 von Carl Ludwig Seffner geschaffen, der seinerzeit neben Max Klinger der führende Bildhauer Leipzigs war.

 

Die Büste entstand in Zusammenhang mit einem Denkmalprojekt. Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts wurde in Leipzig darüber diskutiert, ein neues Bach-Denkmal aufzustellen. Neuen Schwung erhielt dieses Projekt, als 1894 auf dem Johannesfriedhof das vermutliche Bach-Grab wiederentdeckt wurde. Carl Seffner war bei der Identifizierung der Gebeine durch den bedeutenden Anatom Wilhelm His beteiligt. Über Abgüssen des aufgefundenen Schädels und im Vergleich mit gemalten Bach-Porträts modellierte er Bachs Antlitz. Nach diesem Vorbild schuf er mehrere Büsten, darunter die ausgestellte aus Marmor. Auch sein Bach-Denkmal, das 1908 auf dem Thomaskirchhof aufgestellt wurde, beruht auf diesem Vorbild.

 

Nur wenige Schritte vom Thomaskirchhof entfernt, in Richtung der großen Ringstraße, steht übrigens das älteste Denkmal für Johann Sebastian Bach. Es entstand auf Initiative von Felix Mendelssohn Bartholdy und wurde 1843 in Anwesenheit von Bachs Enkel Wilhelm Friedrich Ernst enthüllt.

 

 

Die Musikerfamilie Bach

Die Musikerfamilie Bach. Foto: Sven Bigl

Unter den Musikerfamilien der Barockzeit nimmt die Familie Bach eine herausragende Stellung ein. Mehr als 200 Jahre prägten ihre Mitglieder das musikalische Leben in Mitteldeutschland.

 

Im Zentrum des Raumes steht ein klingender Stammbaum, der die Musikerfamilie Bach und ihre Kompositionen näher vorstellt. Die Informationen für diesen Stammbaum hat Johann Sebastian Bach selbst geliefert. Im Alter von 50 Jahren stellte er unter dem Titel »Ursprung der musikalisch-Bachischen Familie« kurze Biografien von 53 männlichen Familienmitgliedern zusammen. Fast alle waren Musiker: Kantoren, Organisten, Stadt- und Hofmusiker oder auch Instrumentenbauer. Nur vereinzelt tauchen andere Berufe auf: etwa ein Teppichmacher oder ein Chirurg. Der Stammbaum endet in der Generation der Bachsöhne, denn nur bis hierhin konnte Bach die Familie selbst überblicken.

 

Noch heute gibt es Nachfahren Johann Sebastian Bachs. Der letzte aktive Komponist, Friedrich Wilhelm Ernst, starb jedoch 1845. Dieser Sohn Johann Christoph Friedrichs, des sogenannten Bückeburger Bachs, war der einzige Enkel Johann Sebastians, der eine musikalische Laufbahn einschlug. 1843 war er - bereits hochbetagt - als Ehrengast bei der Einweihung des ersten Denkmals für seinen berühmten Großvater zugegen.

 

Dieser Ausstellungsraum wurde gestaltet mit Unterstützung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, Berlin, gemeinsam mit der Sparkasse Leipzig

Die Orgel im Zentrum

Die Orgel im Zentrum. Foto: Jens Volz

Nicht ohne Grund steht eine Orgel im Zentrum dieses Ausstellungsraumes. Zeit seines Lebens war die Orgel das wichtigste Instrument für Johann Sebastian Bach. Seine Orgelwerke gehören zu den anspruchsvollsten, die jemals komponiert wurden; sein virtuoses Spiel wurde weit gerühmt. Seit seiner Jugend wurde er außerdem immer wieder eingeladen, neu erbaute oder reparierte Orgeln zu begutachten.

 

Der ausgestellte Orgelspieltisch gehörte zu einem Instrument des Orgelbaumeisters Johann Scheibe. Er hatte es für die Leipziger Johanneskirche erbaut, die auf dem Friedhof etwas außerhalb der Innenstadt stand. 1743 wurde Bach eingeladen, das neue Instrument zu begutachten. Laut den Quellen unterzog er es »der strengsten Untersuchung, die vielleicht jemals über eine Orgel ergangen ist«. Sein Urteil fiel positiv aus. Es ist also gesichert, dass Bach dieses Instrument spielte und auf der Orgelbank saß. Der Spieltisch, wie er im Museum zu sehen ist, ist nur teilweise original erhalten. Bereits im 19. Jahrhundert waren bei Reparaturen Teile ausgetauscht oder erneuert worden. Im Zweiten Weltkrieg wurde er zudem schwer beschädigt. Die Tastaturen, das Notenpult, das Füllungsbrett, an dem das Pult befestigt war, und verschiedene Registerzüge verschwanden in dieser Zeit. Der Spieltisch ist jedoch das einzige erhaltene Relikt einer Bach-Orgel in Leipzig. Für die Ausstellung im Bach-Museum wurde er 2008 bis 2010 umfassend restauriert.

 

Dieser Ausstellungsraum wurde gestaltet mit Unterstützung von Frau Barbara Lambrecht-Schadeberg, Kreuztal. Der Orgelspieltisch wurde restauriert mit Unterstützung von Herrn Christian Peter Henle, Mülheim (Ruhr).

Bachs Orchester

Bachs Orchester. Foto: Jens Volz

Dieser Raum ist dem barocken Instrumentarium gewidmet. Ausgestellt ist eine Reihe von historischen Musikinstrumenten. Johann Sebastian Bach interessierte sich lebhaft für die Funktionsweise von Instrumenten, für Akustik und Probleme der Stimmung. Er nutzte die vielfältigen klanglichen Möglichkeiten, die ihm die Orchesterinstrumente boten, und verwendete neu entwickelte Instrumente bald in seinen Kompositionen – so zum Beispiel die Oboe d'amore, die Oboe da caccia oder den Bassono grosso.

 

An dem »Wandorchester« haben die Besucher die Möglichkeit, den Klang der historischen Musikinstrumente näher kennenzulernen. Das Orchester spielt verschiedene Werke. In unserem Aufbau sind immer die Musiker beleuchtet, die im gerade erklingenden Stück mitwirken. Auf Knopfdruck wird das jeweilige Instrument hervorgehoben. Es erklingen die Gigue aus der Orchestersuite Nr. 3 sowie ein Ausschnitt aus dem Brandenburgischen Konzert Nr. 5 – beide in der Bachschen Originalbesetzung. Dazwischen ist der Choral »Lass dein Engel mit mir fahren« aus der Kantate »Es erhub sich ein Streit« zu hören. Dieser Choral wurde für das gesamte Orchester arrangiert, so dass man den Klang jedes einzelnen Instrumentes kennenlernen kann. Bach selbst stand ein solch großes Orchester nicht zur Verfügung.

 

Eingespielt wurden die Stücke von Musikern der Fachrichtung Alte Musik der Hochschule für Musik und Theater »Felix Mendelssohn Bartholdy« Leipzig unter der Leitung von Susanne Scholz.

 

Dieser Ausstellungsraum wurde gestaltet mit Unterstützung der Commerzbank-Stiftung, Frankfurt (Main).

Ein Violone aus Bachs Orchester

Violone von Leonhardt Pradter, 1672. Ev.-luth. Kirchgemeinde St. Nikolai – St. Johannis, Leipzig

Das Instrument aus dem Besitz der Leipziger Nikolaikirche wurde 1672 von dem böhmischen Bassgeigenmacher Leonardt Pradter gebaut. Die Leipziger Kirchen hielten eine gewisse Grundausstattung an Instrumenten vor, um das reiche kirchenmusikalische Leben zu unterstützen. Der jeweilige Thomaskantor war für die Betreuung der Instrumente in den Hauptkirchen St. Thomas und St. Nikolai verantwortlich und setzte sie in seinen Aufführungen ein. Das ausgestellte Instrument wurde somit auch unter der Leitung Bachs gespielt. Der Violone war das größte und tiefste Streichinstrument in Bachs Orchester. Durch den ständigen Gebrauch bis in die jüngste Zeit hinein erfuhr er allerdings einige Veränderungen. So wurden zum Beispiel Hals, Wirbelkasten, Steg und Schnecke erneuert.

Eine Viola d'amore von Bachs Freund J. C. Hoffmann

Beschriftung der Viola d'amore

Die aus Privatbesitz stammende Viola d‘amore wurde von dem Geigen- und Lautenmacher Johann Christian Hoffmann gebaut, der Bach freundschaftlich verbunden war. 1734 beauftragte Bach ihn mit der Instandhaltung der Instrumente in der Thomas- und der Nikolaikirche. Hoffmann wiederum bedachte Bach in seinem Testament. Seine »lieben Freunde«, darunter Bach, sollten sich die zum Zeitpunkt seines Todes in der Werkstatt befindlichen Instrumente »durch das Loß« teilen.

Die Viola d’amore, die den Tonumfang von Violine und Viola vereint, zeichnet sich durch ihren als besonders lieblich empfundenen Klang aus. Bach setzte ein solches Instrument z.B. in seiner Johannes-Passion ein.

Dem Familienleben auf der Spur

Dem Familienleben auf der Spur. Foto: Jens Volz

Dieser Raum berichtet vom Familienleben der Bachs und ihrer Freundschaft zur Familie Bose, die damals im heutigen Bach-Museum wohnte. Vom barocken Erker des Ausstellungsraumes aus blickt man direkt auf den Ort, an dem bis 1902 die alte Thomasschule, Bachs Wohn- und Arbeitsstätte, stand. Laut Bachs Sohn Carl Philipp Emanuel ging es zuhause zu wie in einem »Taubenhaus«. Außer den Eltern und zahlreichen Kindern lebten Verwandte und Privatschüler in der Kantorenwohnung. Gäste gingen ein und aus. Ein Stammbaum gibt einen Überblick über Bach, seine Ehefrauen und Kinder. Gesicherte Informationen über das Familienleben haben wir dennoch kaum, unser Wissen ist äußerst spärlich. Einige besonders aussagekräftige Quellen, die Anhaltspunkte zum Privatleben liefern, sind in dem Raum zusammengetragen. Außerdem ist das einzige bekannte Möbelstück aus seinem Haushalt ausgestellt.

 

Dieser Ausstellungsraum wurde gestaltet mit Unterstützung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, Berlin, gemeinsam mit der Sparkasse Leipzig.

Eine Truhe aus dem Besitz Johann Sebastian Bachs

Eine Truhe aus dem Besitz J. S. Bachs. Foto: Jens Volz

Die schwere Eisentruhe ist das einzige bekannte Möbelstück aus dem Haushalt der Familie Bach. Dass sie sich in Bachs Besitz befand, ist erst seit 2009 bekannt. Viele Jahre stand sie im Dommuseum Meißen und wurde als Spendenbehälter benutzt. Erst als ein aufmerksamer Besucher auf dem Innendeckel das Bachsche Monogramm erkannte, trat die Bedeutung des Möbelstückes zutage. Dieses Monogramm benutzte Johann Sebastian Bach seit dem Jahr 1722 als Briefsiegel. Die Buchstaben JSB sind zweimal zu lesen, einmal von links nach rechts und einmal spiegelverkehrt von rechts nach links. Bekrönt wird das Zeichen von einer fünfzackigen Krone. Die Bemalung stammt aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts und ist ein sicheres Indiz dafür, dass die Truhe der Familie Bach gehörte. Welche Wertgegenstände in der mit elf Riegeln verschlossenen Kiste aufbewahrt wurden, ist nicht bekannt. Vielleicht haben die in Bachs Nachlassverzeichnis ausgewiesenen kostbaren Medaillen, Silbergegenstände und Wertpapiere dazugehört.

Bach und die Hofmusik

Bach und die Hofmusik. Foto: Jens Volz

Hier, im Raum mit den Leuchttafeln, stehen Bachs vielfältige Kontakte zu Fürstenhöfen im Mittelpunkt. 15 Jahre lang war Bach bei Hofe angestellt. Von 1708 bis 1717 als Hoforganist und Konzertmeister in Weimar, von 1717 bis 1723 als Kapellmeister in Köthen. Aber auch vor und nach dieser Zeit legte er Wert auf gute Kontakte zu Fürstenhöfen. So führte er die Titel des Sachsen-Weißenfelsischen Hofkapellmeisters und des Dresdner Hofcompositeurs. Sie erhöhten sein Ansehen und ließen sich hervorragend einsetzen, um seinen Anliegen Nachdruck zu verleihen. Das kulturelle Leben im 18. Jahrhundert war maßgeblich durch die Fürstenhöfe geprägt. Neben dem tonangebenden Dresdner Hof gab es in Mitteldeutschland viele kleine Residenzen, die sich oft eigene Orchester leisteten. Pracht und Luxus gehörten zum Selbstverständnis der Höfe, Musik war ein wichtiges Mittel der Repräsentation.

 

Dieser Ausstellungsraum wurde gestaltet mit Unterstützung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, Berlin, gemeinsam mit der Sparkasse Leipzig

Bach in Leipzig

Bach in Leipzig. Foto: Jens Volz

Als Bach im Mai 1723 das Thomaskantorat übernahm, begann in Leipzig ein neues Kapitel der Musikgeschichte. 27 Jahre lang prägte er das musikalische Leben in einer der kulturellen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Metropolen Europas. Das Thomaskantorat war eines der führenden musikalischen Ämter in Deutschland und die Thomasschule eine begehrte Ausbildungsstätte für junge Musiker. In Leipzig entstanden viele der bedeutendsten Werke Bachs, darunter die Passionen, die Kunst der Fuge und die Messe in h-Moll. Bach leitete die Musik in den Hauptkirchen St. Nikolai und St. Thomas und übernahm eine Fülle weiterer musikalischer Aufgaben sowohl im kirchlichen als auch im weltlichen Bereich. Neben den Thomanern unterrichtete er zudem zahlreiche Privatschüler.

 

Auf dem Fußboden ist ein Stadtplan aus dem Jahr 1723 dargestellt, dem Jahr, in dem Bach nach Leipzig kam. Die Medienstationen informieren über seine Aufgaben in der Stadt. Unternehmen Sie einen kleinen Spaziergang durch das barocke Leipzig! Viele Straßenverläufe und sogar ihre Namen sind bis heute vorhanden.

 

Dieser Ausstellungsraum wurde gestaltet mit Unterstützung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, Berlin, gemeinsam mit der Sparkasse Leipzig sowie von Herrn Dr. Arend Oetker, Berlin.

Filmkabinett

Das Filmkabinett. Foto: Jens Volz

 

In das etwas versteckt liegende Filmkabinett gelangt man über einen schmalen Gang vom Raum »Bach in Leipzig« aus. Hier werden kurze Ausschnitte aus verschiedenen Spielfilmen und Dokumentationen gezeigt. Das Leben Bachs und seiner Familie bietet Filmemachern fast unerschöpflichen Stoff zur Auseinandersetzung. Die Filme sagen dabei vor allem etwas über die Zeit aus, in der sie entstanden sind.

Hörkabinett

Das Hörkabinett. Foto: Jens Volz

 

In dem kleinen Hörkabinett können sich die Besucher ganz in die Musik Bachs vertiefen. Alle Kompositionen, die in einer Einspielung vorliegen, sind in den Medienstationen gespeichert. Die Auswahl ist nach verschiedenen Kriterien möglich, etwa nach Titeln, Textanfängen oder den Nummern des Bach-Werke-Verzeichnisses. Zudem gibt eine Chronologie Auskunft darüber, wann wichtige Werke Bachs entstanden sind.

Das Hörkabinett wurde gestaltet mit Unterstützung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung Berlin, gemeinsam mit der Sparkasse Leipzig.

Das Forschungslabor: Expedition Bach

Das Forschungslabor. Foto: Gert Mothes

Das Bach-Archiv Leipzig, die Mutterinstitution des Bach-Museums, widmet sich der Erforschung von Leben und Werk der weitverzweigten Musikerfamilie Bach. Zu den zentralen Aufgaben gehört es, Quellen und Dokumente zu erschließen sowie Werkausgaben zu erarbeiten. Zusammen mit dem Göttinger Bach-Institut wurde von 1954 bis 2007 die Neue Bach-Ausgabe erarbeitet, die zum Modell für spätere Editionen wurde. Im Zuge der Editionsarbeiten gelangen mit Hilfe verfeinerter Methoden der Papier- und Schreiberuntersuchung bahnbrechende Umdatierungen, die auch ein neues Bach-Bild zur Folge hatten. So wissen wir nun, dass Bach fast alle Leipziger Kantaten in seinen ersten Amtsjahren als Thomaskantor komponierte. Sein Arbeitspensum in dieser Zeit war enorm!

 

Das Forschungslabor vermittelt Einblicke in Methoden, Arbeitsweisen und Projekte der Bachforschung. Die Besucher sind eingeladen, eine Handschrift selbst zu datieren oder den Entstehungsprozess einer wissenschaftlichen Edition kennenzulernen.

 

Dieser Ausstellungsraum wurde gestaltet mit Unterstützung der Gerda Henkel Stiftung, Düsseldorf, und Herrn Dr. Werner Minzlaff, Falkensee.

Die Schatzkammer

Die Schatzkammer. Foto: Jens Volz

In der Schatzkammer sind die wertvollsten Bestände des Bach-Museums ausgestellt. Die Stirnseite ist dem größten Schatz des Bach-Museums vorbehalten, einem von nur zwei authentischen Portraits Johann Sebastian Bachs von der Hand des Malers Elias Gottlob Haußmann (1748). 2015 wurde es dem Bach-Museum durch den US-amerikanischen Musikwissenschaftler und Philanthropen William H. Scheide vererbt. In der zentralen Vitrine in der Raummitte liegen weitere große Kostbarkeiten: originale Schriftstücke von der Hand Johann Sebastian Bachs. Seine Handschriften und auch viele der übrigen Dokumente, Notenhandschriften und Drucke sind so fragil, dass Sie mehrmals jährlich ausgetauscht werden müssen. Die Schatzkammer wird daher zwei- bis dreimal im Jahr neu bestückt.

Der Raum wurde gestaltet mit Unterstützung der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, Hamburg.

Bachs Leipziger Kantaten


Bachs Leipziger Kantaten

Zu den wertvollsten Handschriftenbeständen gehören 44 Stimmensätze der sogenannten Choralkantaten von 1724-25.  Schon kurz nach seinem Amtsantritt als Thomaskantor 1723 nahm Bach ein ungewöhnlich ehrgeiziges Projekt in Angriff: Er begann, für jeden Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres eine Kantate zu komponieren. Im Wochentakt entstanden neue, umfangreiche Werke. Sobald Bach die Partitur fertiggestellt hatte, schufen Kopisten, Familienmitglieder, manchmal auch Bach selbst das Aufführungsmaterial (die Stimmensätze) für Chor und Orchester. Im Anschluss korrigierte Bach die Abschriften. Schließlich mußte die Kantate noch eingeübt werden, bevor sie am Sonntag entweder in der Nikolaikirche oder der Thomaskirche aufgeführt wurde. Jeweils ein vollständiger Stimmensatz ist in wechselnder Folge in der Schatzkammer des Bach-Museums ausgestellt.

Fundstücke aus den mutmaßlichen Gräbern von Johann Sebastian und Anna Magdalena Bach


In der Schatzkammer befindet sich ein Glaskästchen mit Fundstücken aus den vermutlichen Gräbern von Johann Sebastian Bach und seiner Ehefrau Anna Magdalena. Beide wurden auf dem Johannisfriedhof in Leipzig bestattet. Im Lauf von weit über 100 Jahren ging das Wissen über den genauen Ort der Gräber jedoch verloren. 1894 machte sich schließlich eine Kommission auf, um die Gräber zu lokalisieren. Mithilfe mündlicher Überlieferungen und weiterer Anhaltspunkte wurden zwei Gräber als diejenigen Bachs und seiner Frau identifiziert.

 

Die kleinen Objekte in dem Glaskästchen stammen aus diesen beiden Gräbern. Zu sehen sind zwei Splitter von einem Eichenholzsarg sowie ein Verschlussblech, mit dem vermutlich der Gürtel eines der Leichenhemden geschlossen wurde. Außerdem befindet sich ein Fingerhut in dem Kästchen, den man dem Grab Anna Magdalenas zuordnete. Die kleinen Gegenstände wurden fast wie Reliquien behandelt. Über mehr als ein Jahrhundert wurde das Glaskästchen zunächst in der Kirchgemeinde St. Johannis und später in St. Nikolai aufbewahrt, bevor es 2010 als Dauerleihgabe ins Bach-Museum Leipzig gelangte.

Gemälde von Bachs Vater Johann Ambrosius

Johann Ambrosius Bach (1645–1695) Vater Johann Sebastians Vermutlich Johann David Herlicius, Öl auf Leinwand, um 1680 Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv
Das einzige Porträt, das von Bachs Vater bekannt ist, hängt in der Schatzkammer des Bach-Museums. Der geachtete Eisenacher Musiker ist in Hauskleidung ohne Perücke dargestellt. Das geöffnete Fenster gibt den Blick auf die berühmte Wartburg frei. Johann Ambrosius starb im Alter von knapp 50 Jahren, ein Jahr nach seiner Frau. Mit nur 10 Jahren war Johann Sebastian Vollwaise. Sein älterer Bruder Johann Christoph, Organist in Ohrdruf, nahm ihn bei sich auf und bildete ihn musikalisch aus.

Tapetenfragmente

Rosenrankentapete mit umlaufender Frucht-Bordüre und Balustrade, Handdruck mit Leimfarben (12 Druckfarben) auf Bahnen aus Büttenpapier, um 1800. Bach-Archiv Leipzig

Die leuchtend farbige Rosenrankentapete, die im Oktober 2008 im Museumsgebäude entdeckt wurde,  zeugt von der anspruchsvollen Lebensart der einstigen Bewohner. Sie gehörte zum Modernsten, was um 1800 in den Journalen, bei Händlern oder auf den Handelsmessen angepriesen wurde. Unter dieser luxuriösen Tapete sind Marmorpapiere aus der Zeit um 1780 erhalten. Sie stammen wohl aus einer regionalen Manufaktur. Ähnliche Papiere sind zum Beispiel im Gohliser Schlösschen in Leipzig zu finden, in dem das Bach-Archiv viele Jahre lang seinen Sitz hatte.

Eine illusionistische Rüstkammer

Eine illusionistische Rüstkammer Vier Flügeltüren, vermutlich von einem Wandschrank Tempera auf Holz, wohl 1. Hälfte 18. Jahrhundert. Bach-Archiv Leipzig
Die bemalten Holzbretter zeigen Waffen, Teile von Rüstungen, Trommeln und anderes militärisches Gerät. Das große Gemälde stammt aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Es ist eines von mehreren Fundstücken, die während der Sanierung des Bach-Museums im Jahre 2008 überraschend in einer Wand zwischen zwei Büroräumen auftauchten. Die einzelnen Bretter waren als Füllmaterial verwendet worden und haben sich nur deshalb erhalten.

 

Die Bretter bildeten einst die vier Türflügel eines bemalten Wandschrankes, der wahrscheinlich zur sogenannten »Rüstkammer« gehörte. Die Kaufmannsfamilie Bose, die das Museumsgebäude zur Bach-Zeit bewohnte, bewahrte hier ihre Sammlung an Waffen und historischen Militaria auf. Das Ausstellungsstück gibt damit einen interessanten Einblick in die Lebenswelt der mit den Bachs eng befreundeten Familie Bose.

Der Garten

Der Garten des Bach-Museums. Foto: Brigitte Braun

Der kleine Museumsgarten erinnert an den Lustgarten, den die Familie Bose, Bachs Nachbarn, Anfang des 18. Jahrhunderts an dieser Stelle anlegen ließ. Solch ein »Hausgarten« war damals äußerster Luxus. Die eng bebaute Innenstadt ließ eine derartige Verwendung kostbarer Flächen normalerweise nicht zu. Der damalige Lustgarten war etwa 32 Meter lang und 18 Meter breit und damit um einiges größer als der heutige Rosengarten. In ihrem Garten ließen die Boses barocke Zierbeete, Obstbäume und eine »Sommer Laube« anlegen. Die »figurirten Lust-Beete, Rabatten und Blumenstücke« waren mit Buchsbaum eingefasst. In der Mitte des Gartens befand sich ein steinerner Springbrunnen. Links neben dem Eingang gab es ein separates Höfchen für Hühner und anderes Vieh. Gut möglich, dass sich Johann Sebastian Bach und seine Familie öfters in dem Garten aufgehalten haben, wenn Sie ihre Nachbarn besuchten.

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