Rückblick

Zwei bis drei Sonderausstellungen pro Jahr in einem eigens dafür konzipierten Raum widmet das Bach-Museum aktuellen Ereignissen, Jahrestagen und weiteren spannenden Themen.

Hier erhalten Sie einen Überblick über die vergangenen Ausstellungen.

Glaubenswelten

27. Januar - 25. Juni 2017

 

Seit Einführung der Reformation in Leipzig 1539 bildete die evangelisch-lutherische Konfession die Basis für das religiöse und soziale Zusammenleben. In die pulsierende Handelsmetropole kamen jedoch – besonders zu den drei jährlichen Messen – Menschen aus ganz Europa und darüber hinaus mit unterschiedlichen Konfessionen und Religionen. Die Stadt und die evangelisch-lutherische Kirchenbehörde wachten streng über »unliebsame« Glaubensausübungen. Dennoch begann um 1700 unter der Regierung des sächsischen Kurfürsten August des Starken – nicht zuletzt aus machtpolitischen und wirtschaftlichen Interessen – eine Lockerung der bis dahin weitgehend religiösen Einheitlichkeit.

Die Kabinettausstellung beleuchtete die religiöse Situation in Leipzig zur Bach-Zeit aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Neben der vorherrschenden evangelisch-lutherischen Kirche gab es seit 1701 eine evangelisch-reformierte und seit 1710 eine katholische Gemeinde, 1743 kam eine griechisch-orthodoxe hinzu. Jüdische Händler durften nur eingeschränkt während der Handelsmessen ihre Religion ausüben. Ein weiteres Kapitel geht der Frage nach, inwieweit der evangelisch-lutherische Thomaskantor Johann Sebastian Bach mit anderen Konfessionen in Berührung kam. Zu den wertvollsten Ausstellungsstücken gehörten Stimmen aus der Missa h-Moll BWV 232 (Kyrie und Gloria der späteren h-Moll-Messe), die Bach dem katholischen Kurfürsten widmete.

 

 

 

      

»Alles, alles verdanke ich Joh. Seb. Bach!« – Bach und Reger

 4. März bis 23. Oktober 2016

 

»Es gibt nichts so Kompliziertes in unserer modernen Harmonik, was nicht der alte Bach längst vorweg genommen hätte«, resümierte einmal Max Reger in tiefer Verehrung für den großen Thomaskantor. Für Reger waren die »Geheimnisse der Harmonie« in Bachs Werken ebenso faszinierend wie dessen Fugentechnik, die er als Basis allen Komponierens verstand: »Sebastian Bach ist für mich Anfang und Ende aller Musik; auf ihm ruht und fußt jeder wahre Fortschritt« – mit diesem Bekenntnis setzte er sich als Komponist, Bearbeiter und Dirigent intensiv mit dem Schaffen Bachs auseinander. Bach und Reger – zwei Komponisten, die ihrer Zeit in vielerlei Hinsicht weit voraus waren, stehen nicht nur im Zentrum des Bachfestes 2016, sondern auch im Mittelpunkt einer Kabinettausstellung, die das Bach-Museum Leipzig anlässlich des 100. Todestages von Reger gemeinsam mit dem Max-Reger-Institut Karlsruhe veranstaltete. Ausgestellt waren u.a. kostbare Autographen, Erstdrucke, Briefe, Konzertprogramme und Fotografien aus der Sammlung des Max-Reger-Instituts.

 

Frauen der Bach-Zeit. Ausstellung zum Stadtjubiläum 2015

8. Mai bis 11. Oktober 2015

 

Anlässlich des Stadtjubiläums »1000 Jahre Leipzig« nahm das Bach-Museum ausgewählte Frauen in den Blick, die zur Zeit Bachs hier gelebt haben. Die Ausstellung beleuchtete, welche wichtige Rolle Frauen im Kultur- und Wirtschaftsleben des barocken Leipzig spielten. Beleuchtet wurden Lebensschicksale und Wirkungsbereiche berühmter Frauen, wie der Dichterin Christiane Mariane von Ziegler, die nicht nur einen literarisch-musikalischen Salon führte, sondern auch Kantatentexte für Bach verfasste. Noch populärer war die Schauspielerin und Theaterprinzipalin Friederica Carolina Neuber, die in Leipzig große Erfolge feierte, zuletzt jedoch bittere Not erlitt. Aber auch unbekanntere Frauen werden bedacht, beispielsweise Witwen, die mit großzügigen Stiftungen öffentliche Einrichtungen und Bedürftige unterstützten. Nicht fehlen dürfen die Kantorenfrauen Anna Magdalena Bach und ihre Vorgängerinnen. Zu den ausgestellten Exponaten zählten Handschriften, Grafiken sowie Dokumente, die über das Wirken und die Lebenssituationen der Frauen Aufschluss geben.

»Mit Studiosi musiciret«

26. September 2014 – 15. Februar 2015

 

Während seiner Zeit als Thomaskantor übernahm Johann Sebastian Bach stets auch musikalische Aufgaben an der Universität. Dazu gehörten die Kirchenmusik an hohen Feiertagen sowie die musikalische Gestaltung der vierteljährlichen Redeakte in der Universitätskirche. Außerdem gingen an Bach Auftragswerke für besondere Anlässe. Zu den eindrucksvollsten gehören die Trauerode »Laß Fürstin, laß noch einen Strahl« für die verstorbene Kurfürstin Christiane Eberhardine und die Motette »Der Geist hilft unser Schwachheit auf« zur Beerdigung des Thomasschulrektors Johann Heinrich Ernesti. Weitere Anlässe für Kompositionen boten Jubiläen von Professoren oder Huldigungen für die kurfürstliche Familie, zu denen oftmals opulente Freiluftmusiken, verbunden mit prächtigen Zeremonien, stattfanden. Darüber hinaus begeisterten Bach und sein Studentenorchester mit anspruchsvollen, auch kurzweiligen und amüsanten Programmen zahlreiche Besucher im Zimmermannschen Kaffeehaus oder Kaffeegarten.

Die Ausstellung zeigt originale Bach-Handschriften, Beschreibungen der Spielstätten und andere Dokumente sowie Grafiken, die das reiche Musikleben im Umfeld der Leipziger Universität anschaulich machen.

 

Die Ausstellung wird gefördert vom Packard Humanities Institute (Los Altos, California) und von der Vereinigung der Freunde des Bach-Archivs Leipzig e. V.

 

 

Der Katalog zur Ausstellung ist im Museumsshop erhältlich.

»Die Musik muss das Herz rühren«. C. P. E. Bach zum 300. Geburtstag

07. März – 20. Juli 2014

 

Carl Philipp Emanuel Bach war in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bekannter als sein heute weltberühmter Vater Johann Sebastian. Am 8. März 1714 in Weimar geboren, ließ er die barocke Klangwelt seiner Jugend bald hinter sich und vertrat ein neues Lebensgefühl mit individuelleren Ausdrucksformen. Er wurde zum bedeutendsten Komponisten der Epoche der Empfindsamkeit und war ein geschätztes Vorbild für Komponisten wie Mozart oder Haydn.

Aus seiner frühen Schaffensphase in Leipzig und Frankfurt an der Oder, wo er erste wichtige  musikalische Erfahrungen sammelte, sind nur wenige Kompositionen erhalten. C. P. E. Bach selbst vernichtete später viele seiner Frühwerke. In der Ausstellung wurden jedoch einige seiner frühesten erhaltenen Handschriften gezeigt, so eine erst 2010 in Mügeln (ca. 60 km östlich von Leipzig) entdeckte Kantate oder ein Schulheft des 13-jährigen Thomasschülers. Außerdem wurde sichtbar, dass sich Carl Philipp Emanuel intensiv mit dem Werk seines Vaters auseinandersetzte, aber dennoch ganz eigene Wege ging. Ab 1738 war er drei Jahrzehnte lang Cembalist bei Friedrich II. in Berlin/ Potsdam. Exponate aus dieser Zeit sind beispielsweise Kompositionen für Cembalo und sein erstes großes Vokalwerk, das Magnificat. Europäische Berühmtheit erlangte Bach während seiner Zeit als Musikdirektor in Hamburg, unter anderem mit dem großen Chorwerk »Heilig« und zahlreichen Klavier-Sonaten. Briefe und Stammbucheinträge zeugen von vielfältigen Kontakten und Freundschaften mit Künstlern, Intellektuellen und Geschäftspartnern. Nach dem Urteil eines ehemaligen Kommilitonen habe sich Bach »durch Natürlichkeit, Tiefe und Nachdenklichkeit« ausgezeichnet und »sei trotzdem ein lustiger Gesellschafter gewesen« (J. v. Stählin, 1784).

Bach »Nürnberger Art«. Die Sammlung Scholz

19. September 2013 – 09. Februar 2014

 

Im Bach-Archiv Leipzig befindet sich die größte private Tastenmusik-Sammlung aus dem 18. Jahrhundert. Mehr als 250 Werke J. S. Bachs sind darin enthalten. Hinzu kommen 70 Stücke von Carl Philipp Emanuel Bach sowie Werke anderer Komponisten. Diese einzigartige Sammlung des Nürnberger Organisten Leonard Scholz (1720–98) wurde erstmals öffentlich präsentiert.
Aber wer war Scholz? Warum erstellte er von Bachs Kompositionen so ungewöhnliche Arrangements und woher kannte er so viele Werke Bachs? Die Ausstellung führte in die Besonderheiten der Sammlung ein und gab Einblicke in die Lebenswelt des Nürnberger Organisten und wohlhabenden Spezereienhändlers. So reagierte Scholz mit seinen Bearbeitungen vermutlich auf die stark eingeschränkten Spielmöglichkeiten der Nürnberger Orgeln. Ratsakten wiederum berichten, dass der angesehene Bürger Scholz seine Ehefrau und Tochter wegen Unzuchts in einen Gefängnisturm sperren ließ. Die Probleme zogen sich über Jahre hin. Vielleicht war das häusliche Unglück einer der Gründe für seine unbändige Sammelleidenschaft? Diese umfasste viele weitere Bereiche, z.B. Musikinstrumente. In der Ausstellung war u.a. ein Nürnberger Geigenwerk zu sehen, ein ungewöhnliches Tasteninstrument, bei dem mittels der Klaviatur und einer Anzahl von Rädern Saiten angestrichen werden.

 

Die Ausstellung wurde gefördert vom Packard Humanities Institute (Los Altos, California) und der Vereinigung der Freunde des Bach-Archivs Leipzig e. V.

 

Liebe. Macht. Leidenschaft. Die Leipziger Barockoper

15. März bis 25. August 2013

 

Der Vorhang der Leipziger Oper öffnete sich erstmals im Mai 1693. Endlich wurde die Oper eine feste Größe im Musikleben der Messestadt. Gäste aus ganz Europa, darunter Fürsten, Adelige und viele Handelsleute, besuchten das erste bürgerliche Musiktheater in Mitteldeutschland. Bekannte Komponisten wie Georg Philipp Telemann oder Johann David Heinichen führten hier ihre Opern auf. Nach Berichten von Zeitgenossen stand die Leipziger Oper der berühmten Hamburger Gänsemarktoper in nichts nach.
Diese Opernherrlichkeit dauerte allerdings nur bis 1720, denn Liebe, Macht und Leidenschaft bestimmten die Inhalte nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Leben der konkurrierenden Veranstalter. Sie raubten sich gegenseitig die Kostüme oder zerstörten gar die Bühne. Dass trotz solch widriger Umstände und drückender Schuldenberge Oper vom Feinstern gespielt werden konnte, lässt sich nur mit der Begeisterung und Hingabe der Mitwirkenden erklären.

 

Die Ausstellung wurde gefördert durch die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius, das Packard Humanities Institute (Los Altos, California) und die Vereinigung der Freunde des Bach-Archivs Leipzig e.V.

Die Träume des Herrn Bach

21. September 2012 – 27. Januar 2013

 

Zum 800. Geburtstag des Thomanerchores zeigte das Bach-Museum Leipzig die Kabinettausstellung »Die Träume des Herrn Bach«. Präsentiert wurden Zeichnungen, Wimmelbilder und ein kurzer Trickfilm des Illustrators, Grafikers und Trickfilmzeichners André Martini. Mit dem Medium der Illustration und des Zeichentrickfilms unternahm die Ausstellung eine spannende und kuriose Reise in das barocke Leipzig. Das von widrigen Bedingungen und Alltagsproblemen belastete Leben Bachs und seiner Chorknaben wurde auf humorvolle, spannende und oftmals kuriose Weise erzählt. Die verblüffenden Geschichten und unterhaltenden Begebenheiten, die mit Hilfe des Zeichenstiftes vorgestellt wurden, beruhen dabei auf gut recherchierter historischer Basis.

André Martini wurde in Dresden geboren. Er studierte an der Burg Giebichenstein in Halle und illustrierte u. a. Kinderbücher für den Klett Kinderbuchverlag, Leipzig, und den Verlag Kamprad, Altenburg. Seit 2009 arbeitet er an einem Projekt über Johann Sebastian Bach. Drehbuch und Konzept entwickelte er mit Hilfe eines Stipendiums der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen.

 

Die Ausstellung wurde gefördert durch die Vereinigung der Freunde des Bach-Archivs Leipzig.

Bach · Bibel · Gesangbuch

9. Mai bis 29. Juli 2012

 

Bachs Nachlassverzeichnis nennt 52 theologische Werke in 81 Bänden aus der Bibliothek des Komponisten. Darunter befindet sich auch eine von Abraham Calov herausgegebene und kommentierte Lutherbibel. Dieses imposante, dreibändige Werk, das sich heute im Besitz des Concordia Seminary, St. Louis, Missouri USA befindet, ist eines der ganz wenigen bekannten Handexemplare Bachs. Zahlreiche handschriftliche Eintragungen zeugen von seinem Studium der Bibel. Zwei Bände dieses Werkes waren in der Ausstellung zu sehen. Zusammen mit einer illustrierten Merianbibel aus dem Jahr 1704, die erst kurz zuvor als Handexemplar Bachs identifiziert wurde, bildeten sie das Herzstück der Kabinettaustellung. Umrahmt wurden diese äußerst seltenen Bücher aus Bachs eigener Bibliothek von Parallelexemplaren anderer Bibeln und Gesangbücher, also von Büchern, die Bach nachweislich besessen hat, von denen sein eigenes Exemplar allerdings verschollen ist. Weitere Exponate gaben einen Einblick in die liturgische Welt am protestantischen Thomaskantorat. Wichtige Kompositionen Bachs, etwa die Motette »Jesu, meine Freude« oder die Choralkantaten lieferten zudem ein musikalisches Zeugnis seiner umfassenden Auseinandersetzung mit Bibel und Gesangbuch.

 

Mit freundlicher Unterstützung von dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, »Luther 2017« und AON.

 

Netzwerk Thomanerchor

16. März bis 22. Juli 2012

 

Der 800. Geburtstag des Thomanerchores stand in diesem Jahr im Zentrum des musikalischen Lebens der Stadt Leipzig. Als einer der ältesten Knabenchöre Deutschlands verfügt er über eine weltweite Anziehungskraft und eine faszinierende Geschichte.

Das Bach-Museum Leipzig beleuchtete in seiner Ausstellung »Netzwerk Thomanerchor« das Leben der Chorsänger und ihres berühmtesten Kantors, Johann Sebastian Bach. Zahlreiche Quellen aus dem 18. Jahrhundert zeugen vom Leben der Thomaner, die zwischen vielen Verpflichtungen und einem streng geordneten Tagesablauf eine herausragende musikalische Ausbildung erhielten. Von den insgesamt 150 Schülern Thomasschülern gehörten 55 dem Thomanerchor an, und nur diese wohnten auch in der Thomasschule. Sie sangen in den Stadtkirchen, bei Beerdigungen, Hochzeiten und anderen Anlässen, probten für ihre Auftritte, erlernten Musikinstrumente und hatten ihr Schulpensum zu absolvieren. Besucher der Ausstellung erhielten Einblicke, wie es möglich war, alle diese Herausforderungen zu bewältigen. Neben Exponaten, die vom musikalischen Leben zeugen, erfuhren die Besucher der Ausstellung auch Alltägliches, beispielsweise was auf dem Speiseplan der Thomaner stand. Thematisiert wurden auch Unzulänglichkeiten, Konflikte und Ereignisse, die Bach »in Rage« brachten. Außerdem wurde die berufliche Entwicklung ehemaliger Thomaner weiter verfolgt. Denn viele von ihnen profitierten nicht nur von der exzellenten Ausbildung, sondern auch von Bachs weitreichenden Kontakten und seinem Einfluss bei der Vergabe von Universitätsstipendien, Organisten- und Kantorenstellen. So wurden bedeutende kirchenmusikalische Ämter in Mitteldeutschland und darüber hinaus von Bach-Schülern besetzt. Das Leipziger Thomaskantorat hatte unter Bach eine solche Anziehungskraft, dass er zudem viele private, oft schon sehr erfahrene Schüler unterrichtete. Diese wirkten bei Bedarf zudem im Orchester oder im Chor mit. Das Funktionieren des »Netzwerkes Thomanerchor« basierte dabei sowohl auf musikalischer Spitzenklasse, als auch auf den persönlichen Kontakten, der Kreativität und dem Organisationstalent des Thomaskantors.

 

Mit freundlicher Unterstützung von dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und »Luther 2017«

Carl Philipp Emanuel Bach. Die Bildnis-Sammlung.

02. September bis 01. Dezember 2011

 

Carl Philipp Emanuel Bach, einer der geschätztesten Musiker seiner Zeit, legte im Lauf seines Lebens eine bedeutende Sammlung von Musikerporträts an. Die Sammlung, die etwa 400 Bildnisse enthielt, gewährt einen einzigartigen Einblick in seine Kenntnis der Musik- und Kulturgeschichte. Die Bandbreite der Dargestellten ist enorm. Sie reicht von zeitgenössischen Komponisten, Virtuosen und Sängern über Musiktheoretiker, Wissenschaftler und Philosophen bis hin zu Figuren der Musikgeschichte und Mythologie. Mitglieder der Familie Bach sind ebenso vertreten wie eigene Freunde und Kollegen. Die Sammlung hatte eine hohe Ausstrahlung auf die Zeitgenossen. Als erste Sammlung von Musikerporträts in Deutschland wurde sie besonders geschätzt und inspirierte andere Musikliebhaber, eigene Kollektionen aufzubauen. Lange Zeit galt die Sammlung als verschollen. Im Rahmen der C. P. E. Bach Gesamtausgabe wurde sie rekonstruiert. Erstmals waren wesentliche Bestandteile in einer Ausstellung zu sehen.

 

Der Katalog zur Ausstellung ist im Museumsshop erhältlich.

Bürgerstolz und Musenort. 300 Jahre Bosehaus

15. April bis 31. Juli 2011

 

Ein Haus kennt viele Leben, besonders das Bosehaus, das vor 300 Jahren entstand und zu den schönsten Bürgerhäusern Leipzigs gehört. 1711 bezog Georg Heinrich Bose – ein wohlhabender Kaufmann, Besitzer einer Gold- und Silberwarenmanufaktur und später Nachbar von J. S. Bach – das Haus. Die komfortable barocke Hausanlage ist heute Sitz des Bach-Archivs Leipzig mit dem Bach-Museum. Mehrfach wurde das in unmittelbarer Nähe der Thomaskirche gelegene Haus im Laufe der Jahrhunderte baulich verändert – ein Aspekt, der auch in der Ausstellung eine Rolle spielte. Im Vordergrund der Präsentation stand jedoch das Leben im Hause. Welche Menschen lebten hier, welchen Lebensstil bevorzugten sie, was war ihnen wichtig? Zu sehen waren Streiflichter aus dem Alltag von kunstsinnigen Bürgern, Kaufleuten und Sammlern von Gemälden sowie Musikinstrumenten. Außerdem gab es hier mehrere Verlage, Gaststätten und Spielbetriebe der leichten Muse. Einbezogen wurde auch ein Blick in die Frühgeschichte des Areals Thomaskirchhof 16, denn hier siedelten Menschen schon in der Jungsteinzeit, wovon etwa 7500 Jahre alte Fundstücke zeugen.

 

Der Katalog zur Ausstellung ist im Museumsshop erhältlich.

»Bach, Bäche, Bachstelzen«

18. Dezember 2010 bis 21. März 2011

 

Kann man die Bachblüte pflücken oder den Bachfisch fangen? Was wäre, wenn Bach sich als Bacchus verkleidet hätte und wie schnell ist die Bachschildkröte unterwegs? Etwa 50 Kinder und Jugendliche aus dem Leipziger KINDER-ATELIER hatten sich auf vielfältige Weise mit Johann Sebastian Bach beschäftigt und dabei eine Graphikserie voller Witz, Ironie und Vergnügen am Wortspiel geschaffen. Ergänzt wurden die kleinformatigen Arbeiten durch sechs große Bachbüsten, die aus ganz unterschiedlichen Materialien entstanden waren. Die Skulpturen aus Draht, Holz, Gasbeton oder Plastikflaschen waren nicht nur zum Betrachten gedacht, sondern konnten auf vielfältige und spielerische Weise genutzt werden, z.B. als Hörstationen oder Träger von Botschaften.


Entstanden war die Kabinettausstellung in Zusamenarbeit mit dem KINDER-ATELIER / KAOS, Trägerverein Kindervereinigung Leipzig e. V.

»Der hochbegabte, wunderliche Liebling des Vaters« – Wilhelm Friedemann Bach

10. September – 05. Dezember 2010

 

Wilhelm Friedemann Bach, der älteste Sohn Johann Sebastian Bachs, zählt zu den rätselhaftesten Figuren der Musikgeschichte. Sein Leben und Schaffen sind bis heute kaum angemessen erschlossen. Von Zeitgenossen wurde er als »der gründlichste Orgelspieler, größte Fugiste und tiefste Musikgelehrte Deutschlands« gerühmt, aber auch als der »etwas affektierte Elegant« charakterisiert. Die Ausstellung anlässlich seines 300. Geburtstages am 22. November 2010 begab sich auf die Spur des Musikers: Als Orgelvirtuose feierte Wilhelm Friedemann schon als junger Mann Triumphe. Mit Bravour absolvierte er sein Probespiel um die Organistenstelle der Dresdner Sophienkirche, und ohne Schwierigkeiten erlangte er das Amt des Musikdirektors der Hallenser Marktkirche, wo er über fast zwei Jahrzehnte seine anspruchsvollen Kantaten sowie zahlreiche Kompositionen seines Vaters darbot. 1764 fasste er den riskanten Entschluss, ein Leben als reisender Virtuose und freier Musiker zu führen, und kündigte seine feste Stelle in Halle. Ausgedehnte Konzertreisen führten ihn nach Braunschweig, Dresden und Wien, vermutlich sogar nach Sankt Petersburg und London. Sämtliche Versuche, wieder in feste Anstellung zu gelangen, scheiterten. Wilhelm Friedemann geriet in Armut und verstummte zuletzt auch als Komponist. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er in Berlin: alt, ausgelaugt und verbittert. Zu seinen Zeitgenossen ging er schon früh auf Distanz, wurde finster und abweisend und zog es immer mehr vor, im Verborgenen über musikalische Delikatessen zu grübeln. Auch heute erscheint uns seine Musik verschlossen, zuweilen gar unzugänglich. Wer sich ihr und dem Komponisten nähern will, muss dies behutsam und mit Empathie tun, muss bereit sein, den kunstvollen Verschlingungen und der manchmal geradezu halsbrecherischen Virtuosität seiner Einfälle zu folgen, um dann eine Welt von schier unerschöpflicher Erfindungsgabe und verblüffendem melodischen Esprit zu entdecken. Mit Hilfe wertvoller Leihgaben aus ganz Deutschland zeichnete die Ausstellung Wilhelm Friedemanns Lebensweg nach und gab Einblicke in sein Werk und Wirken.

 

Der Katalog zur Ausstellung ist im Museumsshop erhältlich.

Meisterwerke im Wochentakt

Bachs Einstand in Leipzig
20. März bis 22. August 2010

 

Um eine »regulierte Kirchenmusik Gott zu Ehren« aufführen zu können, wechselte Bach im Jahr 1708 von Mühlhausen an den Weimarer Hof. Aber weder dort noch später in Köthen konnte er sich allein diesem erklärten »Endzweck« zuwenden. Erst als Bach im Jahr 1723 das Leipziger Thomaskantorat übernahm, rückte die Kirchenmusik in den Mittelpunkt seiner Tätigkeit. Mit eindrucksvoller Selbstdisziplin schuf er nun vier Jahre lang nahezu wöchentlich eine neue Kantate für den Sonntagsgottesdienst, außerdem zwei große Passionsmusiken und prächtige lateinische Kirchenstücke – ein Repertoire, das an Kunstgehalt und Virtuosität alles zuvor in Leipzig Erklungene in den Schatten stellte.

 

Die erste Kabinettausstellung im neu eröffneten Bach-Museum bot einen Eindruck davon, wie Bach das ungeheuerliche Arbeitspensum bewältigte, welche Strategien er verfolgte, wer ihn bei dieser selbstgewählten »Mission« unterstützte und wie seine Kirchenmusik damals in Leipzig aufgenommen wurde.

 

Die Kabinettausstellung »Meisterwerke im Wochentakt« wurde u. a. mit Mitteln des Packard Humanities Institute (Los Altos, California) eingerichtet.

 

Der Katalog zur Ausstellung ist im Museumsshop erhältlich.

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