Bach kehrt nach Leipzig zurück!

Bach-Museum
Mi 29.4.15

OBM Burkhard Jung, Judith Scheide, Prof. Dr. Peter Wollny, Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Christoph Wolff (v.l.n.r.) bei der Verabschiedung des Gemäldes in Princeton / New Jersey (© Bach-Archiv, Deborah Gichan)Am 14. November 2014 verstarb in seinem 101. Lebensjahr der amerikanische Musikwissenschaftler und Philanthrop Dr. William H. Scheide. Neben der Princeton University, der William H. Scheide seine Sammlung von Büchern und Handschriften hinterließ, bestimmte er am 6. Januar 2014, seinem 100. Geburtstag, das Bach-Archiv Leipzig als Erben eines der größten Schätze seiner Sammlung. Dank William H. Scheide kehrt das berühmte Bach-Portrait des Leipziger Malers Elias Gottlob Haußmann aus dem Jahr 1748, dessen Wert mit 2,5 Mio. $ beziffert wird, nach 265 Jahren nach Leipzig zurück. Das Portrait ist eine Ikone der Musikgeschichte, die wahrscheinlich jeder schon einmal gesehen hat, und laut Quellenlage die einzige verbindliche Abbildung des Komponisten. Sämtliche Bilder, die heute von Bach bekannt sind, gehen auf dieses Gemälde zurück.

Das Bild zeigt Johann Sebastian Bach im Alter von etwa 60 Jahren in förmlicher Pose. In der rechten Hand hält der Abgebildete ein Blatt mit dem »Canon triplex à 6 Voc: per J. S. Bach« als Hinweis auf die raffinierte Beherrschung seines Handwerks. Haußmann fertigte das Portrait in zwei Exemplaren aus. Wesentlich besser erhalten ist das zweite Original aus dem Jahr 1748. Dieses fasziniert durch seine strahlenden Farben und scharfen Konturen ebenso wie durch eine bewegende Geschichte. Das Bild von 1748 entstammt dem Erbteil von Carl Philipp Emanuel Bach und wurde einst als Teil der umfangreichen Portraitsammlung des zweitältesten Bach-Sohnes in Hamburg ausgestellt. Im Nachlassverzeichnis des »Hamburger Bach« aus dem Jahr 1790 wird es folgendermaßen beschrieben: »Bach (Johann Sebastian) Kapellmeister und Musik-Director in Leipzig. In Oel gemahlt von Haus-mann. 2 Fuß, 8 Zoll hoch, 2 Fuß, 2 Zoll breit. In goldenen Rahmen.«

Ab dem frühen 19. Jahrhundert war das Gemälde im Besitz der jüdischen Familie Jenke aus Breslau. Walter Jenke, Nachfahre der einstigen Käufer, musste in den 1930er Jahren aus Deutschland emigrieren. Um das Gemälde vor den Bombenangriffen zu schützen, bewahrte Jenke das Bild auf dem Landsitz der befreundeten Familie Gardiner in Dorset auf. Sir John Eliot Gardiner, der heutige Präsident des Bach-Archivs und einer der renommiertesten Dirigenten unserer Zeit, konnte so im Angesicht von Bachs Antlitz aufwachsen.

1952 erwarb der Bach-Forscher und -Sammler William H. Scheide aus Princeton/New Jersey das Bild bei einer Auktion. Scheide, der bereits im Bach-Jahr 1985 den Wunsch geäußert hatte, »sein Bach« möge eines Tages nach Hause zurückkehren, hatte dem Leipziger Bach-Archiv anlässlich seines Besuchs beim Bachfest Leipzig 2003 ein exklusives Vorkaufsrecht eingeräumt. Gemeinsam mit seiner Frau Judith bestimmte er schließlich das Bach-Archiv zum Erben des Bildes. Bill Scheide starb am 14. November 2014, als Mitglied des Kuratoriums gehörte er seit 2001 zu den großzügigsten und langjährigsten Förderern des Bach-Archivs Leipzig.

Lesen Sie hier den Artikel aus unserem aktuellen Bach-Magazin über die Bedeutung des Haußmann-Portraits.

Die New York Times berichtete als erste von der Heimkehr des Haußmann-Portraits.

on

simple div

simple div