Musik war über Jahrhunderte hinweg ein Medium der Begegnung – freiwillig oder erzwungen, konfliktgeladen und zugleich schöpferisch. Zwei Konzerte des Bachfestes beleuchten auf unterschiedliche Weise diesen Dialog zwischen Kulturen, Zeiten und Klangwelten.
No 187 – Leidenschaft pur
Samstag, 20. Juni 2026, 17.00 h, Peterskirche
Programm: G. B. Bassani: Missa encarnación · A. Vivaldi: Gloria D-Dur, RV 589 · J. S. Bach: Messe G-Dur, BWV 236
Künstler: Hanna Zumsande (Sopran), Marie Luise Werneburg (Sopran), Terry Wey (Altus), Patrick Grahl (Tenor), Tobias Berndt (Bass)
Solisten, Coro Urubichá (Bolivien) – Leitung: Mercedes Papu A
Collegium Musicum ‘23 – Leitung: Nadja Zwiener (Violine)
Im 16. bis 18. Jahrhundert wurden große Teile Mittel- und Südamerikas von europäischen Kolonialisten erobert und missioniert. An vorderster Front stand der Jesuitenorden, für den die Kirchenmusik ein wichtiges Medium der Mission war. An Kathedralen und Stadtkirchen der Jesuitenprovinzen entstanden groß besetzte Chöre und Instrumentalensembles, Instrumente wurden hergestellt und Notensammlungen angelegt.
Auf diese Weise kam es zu einem erzwungenen, zugleich aber fruchtbaren Dialog zwischen Eroberern und Eroberten. Der leidenschaftlich singende Jugendchor Coro Urubichá aus Bolivien stellt in seinem Programm eine Messe des italienischen Komponisten Giovanni Battista Bassani vor, die Anfang des 18. Jahrhunderts in seine Heimat gelangte und dort nach lokalem Geschmack bearbeitet wurde.
Das Konzert verbindet diese klingende Spur transatlantischer Begegnung mit Werken von Antonio Vivaldi und Johann Sebastian Bach – und macht so die wechselseitige Prägung europäischer und lateinamerikanischer Musiktraditionen hörbar.
Künstler: WVC Jazz Bach Ensemble: Tay Cher Siang (Piano), AJ Popshuvit (Bass), Adriel Wong (Drums), Tan Chee Shen (Tenor), Tan Jie (Bambusflöte), Vicky Ramakrishna (Tabla)
Unter dem Titel »Malayan Dialogues with Bach« begegnet Johann Sebastian Bach den Klangwelten Malaysias. Das WVC Jazz Bach Ensemble verbindet Elemente des Jazz mit südostasiatischen Traditionen: Piano, Bass und Schlagzeug treffen auf Bambusflöte und Tabla – und eröffnen einen Dialog zwischen barocker Struktur und improvisatorischer Freiheit, zwischen europäischer Kunstmusik und malaysischer Klangkultur. So entsteht ein lebendiger Austausch, der Bachs Musik aus einer neuen kulturellen Perspektive beleuchtet und den Gedanken des „Dialogs der Kulturen“ in die Gegenwart weiterführt.